03.08.2011

Mit treibender Kraft

  • Mit Schwung und ohne zu schwitzen ins Büro, so das Versprechen der Hersteller von E-Bikes
  • KTM Amparo 8: Solides Elektro-Stadtrad das eine angenehm aufrechte Sitzposition bietet
  • Flyer L-Serie: Ausstattung und Qualität sind hochwertig
  • Kalkoff Agattu C8: Punktet mit einfacher Handhabung vermittelt aber in Kurven ein schwammiges Fahrgefühl
  • KTM eCross: Abzugsstarkes E-Bike, das auch fürs Gelände taugt

Zweiräder mit elektrischer Tretkraftunterstützung werden immer beliebter. Was ist dran an dem Hype und wie fahren sich diese so genannten E-Bikes?

Das Gefühl erinnert an die Kindheit. An die ersten Fahrversuche mit dem Fahrrad, als einem Vati bei jedem kleinen Anstieg seine Hand auf den Rücken legte und sanft schiebend mithalf, den Hügel zu bewältigen. So sanft, dass man am Ende trotzdem immer der Meinung war, die Steigung aus eigener Kraft überwunden zu haben. Beim E-Bike ist es ähnlich. Der Fahrer tritt zwar in die Pedale, aber je nach Steilheit und Einstellung hilft der Motor unauffällig mit.


Streng genommen spricht man bei Fahrrädern mit Tretkraftunterstützung nicht von E-Bikes oder Elektrofahrrädern, sondern von Pedelecs. Bei letzteren muss der Fahrer zuerst selbst Kraft aufwenden und in die Pedale treten, um den Motor überhaupt erst zu aktivieren.

Bei den von Fachleuten als Elektrofahrräder oder E-Bikes bezeichneten Fahrrädern übernimmt der Motor zu hundert Prozent und auch ohne Pedaldrehung den Schub. Genau genommen sind diese Elektrofahrräder also nichts anderes als Mofas mit Elektromotor. Deshalb dürfen sie in Ländern wie Italien, Österreich oder Deutschland auch nicht auf Radwegen benutzt werden, sondern müssen auf der Straße bleiben.
Ganz im Gegensatz zu den Pedelecs, die sowohl für die Straße als auch für Fahrradwege zugelassen sind. Aus diesem Grunde wird die Tretkraftunterstützung auch bei Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h gestoppt. Wer schneller fahren will, muss also selbst kräftig in die Pedale treten.


Trotz dieser grundlegenden Unterschiede hat sich umgangsprachlich die Bezeichnung „E-Bike“ für alle Arten von Fahrrädern mit Elektromotor eingebürgert. Die meisten der sich in Umlauf befindlichen E-Bikes sind aber wohl Pedelecs. Und in Umlauf sind mittlerweile gar einige dieser Fahrräder mit elektrischem Helfer. Die Zahlen, die der deutsche Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) kürzlich veröffentlichte, lassen jedenfalls darauf schließen.

Laut diesen wurden 2007 in Deutschland 70.000 E-Bikes verkauft, 2009 waren es bereits 150.000. Das Jahr 2010 brachte mit 200.000 verkauften Stück ein weiteres E-Bike-Rekordjahr und für 2011 prognostiziert der Verband eine weitere Steigerung. „Mittelfristig kann der Anteil der E-Bikes am Gesamtfahrradmarkt in Deutschland zwischen 10 und 15 Prozent liegen, dies entspricht einer Stückzahl von 400.000 bis 600.000 Fahrzeugen“, so Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes.
Attraktiv. Tatsächlich sind E-Bikes in den vergangenen Jahren immer attraktiver und ausgereifter geworden. Sei es bezogen auf das Design, sei es bezogen auf die verwendete Technik und den Preis.

 

Moderne Elektrofahrräder können auf den ersten Blick oft kaum noch von einem normalen Stadtrad unterschieden werden. Das führte während unserer Testfahrten zu kuriosen Situationen, da sich sportlich radfahrende Zeitgenossen nicht gerne von businesslike gekleideten Menschen auf vermeintlich normalen Stadträdern überholen lassen.

Anstatt schwerer Bleibatterien verbauen die meisten Hersteller heutzutage Lithium-Ionen- oder Lithium-Mangan-Akkus. Der Vorteil: Sie sind kleiner und leichter, haben keinen Memory-Effekt (Ladung jederzeit ohne Kapazitätsverlust möglich) und können auch schnell mal zum Aufladen mit ins Büro genommen werden.


Dem von den Herstellern oft formulierten Versprechen „Nie mehr verschwitzt ins Büro“ konnten wir durchaus etwas abgewinnen, zumal bei allen der von uns ausprobierten E-Bikes die Motorunterstützung in drei Stufen gewählt werden kann: low, high, power.


Längere Fahrten innerhalb der Landeshauptstadt konnten so schnell und ohne übermäßen Schweißverlust bewältigt werden. Dabei sorgten Federgabel und Sattelfederung bei allen Modellen für viel Komfort. Der Grund, warum Johannes Andresen, Direktor der Landesbibliothek Teßmann in Bozen, für seinen Betrieb ein E-Bike gekauft hat, war aber ein anderer: „Wir müssen oft schwere Bücherpakete innerhalb der Stadt transportieren“, so Andresen, „deshalb haben wir uns für ein Elektrofahrrad entschieden.“

Auch als Privatmann hatte sich Andresen vor einigen Jahren für ein E-Bike interessiert und auch ausprobiert. „Obwohl ich überhaupt kein Fahrradtyp bin“, wie er lachend zugibt. Gescheitert ist die Anschaffung damals schließlich am Preis.
Diese sind für Elektrofahrräder in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Günstige E-Bikes gibt es heute schon ab ca. 1.200 Euro, jene mit hochwertigeren Komponenten schlagen mit rund 2.000 Euro zu Buche.
Dafür gibt es dann beim Fahren jederzeit den leichten Schub von hinten, den man aus Kindertagen kennt.


Peter Seebacher

(Erschienen im Südtirol Panorama Juli 2011)

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