Tracht und Tradition sind wieder en vogue. Auch in der Küche. Zwölf Sarner Bäuerinnen bedienen diese neue Lust an traditionellen Speisen und bieten ein Catering der besonderen Art an. Nicht hochraffiniertes Gourmet-Food kommt ins Haus, sondern bodenständige Gerichte aus dem Sarntal, deren Raffinesse darin besteht, dass sie nach jahrhundertealten Rezepten zubereitet sind. Serviert werden Krapfen, Striezl und Co. von den Sarnerinnen in der traditionellen Werktagstracht.
Striezl und Krapfen statt raffinierten Hauben-Caterings, das war die Idee hinter der Gründung von „Selbergmochts“. Zwölf Sarner Bäuerinnen unterschiedlichen Alters haben sich in einer Genossenschaft zusammengeschlossen und bieten einen Catering-Service mit traditionellen Gerichten an. Die Rohstoffe dafür stammen dabei nahezu ausschließlich aus dem Tal selbst.
So traditionell die Speisen sind, so fortschrittlich sind die Kommunikationswege der zwölf Sarnerinnen. Geschickt nutzen die Bäuerinnen SMS, E-Mails und Co. Auf einer Internetseite können sich potentielle Kunden über das Angebot informieren, die Terminplanung zwischen den auf den verschiedenen Höfen verteilten Genossenschaftsmitgliedern erfolgt über Handy und E-Mail. „Im Schnitt sind wir zweimal in der Woche irgendwo engagiert“, erzählt Viktoria Messner. Unterwegs seien sie in ganz Südtirol, auch im Trentino würden sie öfters gebucht. Anfragen gab es bereits auch aus Mailand: „So weit fahren wir aber nicht“, erklärt Messner, „das wäre einfach zu aufwändig.“ Verschiedene Einladungen zu Kochsendungen nach Rom ließen sich die Bäuerinnen dann aber trotzdem nicht entgehen.
Heikel. Auftraggeber sind neben Privaten für Hochzeiten und Ähnliches oft auch Betriebe und öffentliche Institutionen. Das Sortiment an Gerichten wird meist dem Wunsch des Kunden angepasst, Striezl und Krapfen sind aber immer mit dabei. Zwei typische Sarner Speisen, die eine salzig, die andere süß, die einiges an Praxis erfordern, damit sie gelingen.
Besonders die Striezl sind ein heikle Angelegenheit – trotz des auf den ersten Blick einfachen Rezepts, das nur Mehl, Hefe, Wasser, Salz und Schnittlauch als Ingredienzen angibt. Dennoch ist das „Striezlmochn“ eine heikle Angelegenheit, will man nicht Teigfladen mit Schuhsohlenkonsistenz produzieren.
Sind die „Striezl“ ordentlich gelungen, können sie sofort gegessen oder nochmals verfeinert werden. Dazu wird das ovale Gebäck der Breite nach halbiert und mit feingeschnittenem Speck gefüllt. Wer das „Striezlmachn“ einmal selbst ausprobieren will, findet das Rezept auf der Internetseite der zwölf umtriebigen Bäurinnen
(www.selbergmochts.it).
Peter Seebacher
(Erschienen im Südtirol Panorama November 2011)