07.10.2011

Koreaner aus Europa

  • Schon beim ersten Sichtkontakt weiß der Südkoreaner mit gefälligem sportlich-elegantem Äußeren zu punkten
  • Besonders markant sind die in einer geschwungenen Linie angebrachten LED der Tagfahrlichter
  • Auch innen zeigt sich der Hyundai i40 von seiner eleganten Seite. Verarbeitung und Design erfüllen auch höhere Ansprüche

Hyundai setzt zur Aufholjagd an und will qualitätsverwöhnte Europäer mit Stilbewusstsein als Kunden gewinnen. Und tatsächlich, der vorerst nur als Kombi erhältliche i40 braucht in puncto Design und Verarbeitung keinen Vergleich zu scheuen.

 

Gäbe es bei Autos eine Kategorie mit dem Titel „Viel Auto für wenig Geld“, der Hyundai i40 würde dort wohl einen der vorderen Plätze belegen. Unser Testauto – metallisierte Farbe, Alufelgen, 7-Zoll-Navigationssystem, Rückfahrkamera, CD-MP3-Subwoofer-Soundsystem, Start/Stopp-Knopf – ist beispielsweise bereits um rund 31.000 Euro zu haben.
Dafür bietet der von Hyundai als Passat- und Oktavia-Jäger auserkorene i40 einiges. Schon beim ersten Sichtkontakt weiß der Südkoreaner mit gefälligem Äußeren zu punkten. Die Linien sind sportlich-elegant und lassen Freude auf die Testfahrt aufkommen.

 

Innen hält der Hyundai sein von außen gegebenes Versprechen: gute Verarbeitungsqualität und elegantes Design erfüllen die geweckten Erwartungen. Also Losfahren und das Auto auf sich wirken lassen. Der Sitz umschließt den Fahrer fest und verspricht sicheren Halt. Warum also nicht mal eine etwas anspruchsvollere Bergstraße wählen? Zuerst wollen wir aber sehen, was der i40 bei höheren Geschwindigkeiten zu bieten hat. Beim sparsamen, angenehmen Dahinrollen auf der Mebo bei zulässiger Höchstgeschwindigkeit gibt sich der Koreaner keine Blöße. Das kunstlederüberzogene Lenkrad liegt sicher in der Hand und nach Ruckzuck-Koppelung via Bluetooth können per Freisprechanlage gleich mal die anstehenden Termine via Mobiltelefon vereinbart werden. Doch bereits auf der Schnellstraße kommen Zweifel auf: ob die 136 PS für ein flottes Fortbewegen des 1.659 Kilogramm schweren Autos auf Bergstraßen reichen?


Die Probe aufs Exempel bei unserer Fahrt nach Mölten bestätigt den ersten Eindruck: Nein, für zackiges Befahren von kurvenreichen Straßen mit kurzen Überholpassagen ist dieser Hyundai nicht gemacht. Zu lange sind die Übersetzungsintervalle der Sechsgang-Automatik, zu zögerlich entfesselt der 1,7-Liter-Dieselmotor seine Kräfte. Da hilft kein aktivierter Sportmodus und kein reichliches Betätigen der Handschaltwippen am Lenkrad. Ein Blick auf das Datenblatt des Koreaners bestätigt unseren Eindruck: Bei einer Leistung von zwölf Sekunden von 0 auf 100 km/h darf man eben nicht mehr erwarten.


Damit ist der Hyundai i40 bei uns aber noch lange nicht unten durch. Der direkten Lenkung und der sportlichen Abstimmung des Fahrwerkes können wir durchaus etwas abgewinnen. Ganz abgesehen von der ansprechenden, eleganten Innenausstattung, dem reichlichen Platzangebot für die Fondpassagiere sowie dem großzügigen Kofferraumvolumen (maximal 1.719 Liter). Dass wir bei einem Auto in dieser Preisklasse bereits eine bestens funktionierende Rückfahrkamera vorfinden, beeindruckt uns ebenfalls einigermaßen. Auch wenn diese bitter nötig ist, denn das kleine Heckfenster würde ansonsten jedes Zurücksetzen zum Abenteuer mit ungewissem Ausgang machen. Erstaunlich, was diese Südkoreaner da entworfen haben. Sagten wir Südkoreaner? Wir verbessern uns: Europäer. Denn der Hyundai i40 ist ein durch und durch europäisches Auto, das im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Hyundai in Rüsselsheim entwickelt wurde und nun in Tschechien gebaut wird.


Fazit: Der Hyundai i40 bietet ziemlich viel Auto für sein Geld, und so mancher Fuhrparkverantwortliche wird sich den Südkoreaner wohl näher anschauen. Immerhin bietet Hyundai eine Fünf-Jahres-Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Und was die Power betrifft: Ein i40 mit 160-PS-Diesel-Triebwerk soll ebenfalls bald auf den Markt kommen. Genaus wie eine Stufenheckversion.

Peter Seebacher



Technische Daten
Hyundai i40 CW 1.7 CRDi mit 6-Gang-Automatik-Getriebe, wählbarem Sportmodus, Navigationssystem mit 7-Zoll-Display, Rückfahrkamera, Start/Stopp-Knopf, CD/MP3-Audiosystem mit Verstärker und Subwoofer (Advantage Pack)
Vierzylinder Dieselmotor 1.685 ccm
100 kW (136 PS)
Vorderradantrieb
320 Nm maximales Drehmoment bei 2.000 Umdrehungen
190 km/h Höchstgeschwindigkeit
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 12 Sekunden
Verbrauch in l/100 km: 7,6 (innerorts), 5,1 (außerorts), 6,0 (kombiniert)
CO2-Emission: 159 g/km
Preis Testauto: 31.650 Euro
Basispreis: 22.871 Euro


(Erschienen im Südtirol Panorama Oktober 2011)



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